Informationen

Unsere Schule trägt den stolzen Namen des britischen Gelehrten und Leiters der Hofschule Karls des Großen, Alkuin. Im Jahre 778 traf dieser Karl den Großen und wurde von ihm überredet, nach Aachen in die Lieblingspfalz des Kaisers zu kommen, um dort die Familien des Herrschers und seines engsten Gefolges zu unterrichten. In dieser Funktion übte Alkuin auch großen Einfluss auf die Bildungspolitik des gesamten Frankenreichs aus.

Diesem großen Erbe fühlen sich die Alkuinrealschule und insbesondere der Geschichtsunterricht an dieser Schule verpflichtet. So dient das Fach Geschichte neben der Vermittlung von historischem Wissen auch dazu, die Schülerinnen und Schüler zu historisch kritischen Denkern auszubilden, die mit diesem geschärften Blick auch tagespolitische Entwicklungen betrachten und einordnen können.

Wir beginnen i.d.R. in der 6. Klasse mit dem Geschichtsunterricht. In diesem Schuljahr wird sich mit dem Altertum, von den ersten Menschen bis zu den Römern, beschäftigt. In der 7. Stufe stehen das Mittelalter und die Frühe Neuzeit im Fokus des Unterrichts. Die Tatsache, dass unsere Schule in der Stadt beheimatet ist, die Karl der Große zu seiner Lieblingspfalz ausbaute und die später Krönungsstadt der sogenannten römisch-deutschen Könige wurde, ermöglicht uns insbesondere in diesem Schuljahr Geschichte ganz konkret vor Ort zu erleben. Ab der 9. Stufe steht dann die deutsche Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts im Zentrum des Unterrichts. In diesen beiden Schuljahren wird vermehrt darauf Wert gelegt, dass die Schülerinnen und Schüler ein Bewusstsein für unterschiedliche politische Systeme gewinnen und damit den Wert unserer heutigen Demokratie schätzen lernen. Nach Möglichkeit werden dabei Zeitzeugen in den Geschichtsunterricht eingeladen, die über ihre Erlebnisse in der Zeit des Nationalsozialismus und der DDR berichten.

Als Grundlage des Geschichtsunterrichts an der Alkuinrealschule dient das Lehrwerk des Westermann-Verlags „Die Reise in die Vergangenheit“. Darüber hinaus werden insbesondere Zeugnisse der Geschichte vor Ort in den Unterricht mit einbezogen.

Exkursionen finden idealerweise zum einen in die nähere Umgebung, nach Aachen oder zur Burg Rode in Herzogenrath, zum anderen zu weiter entfernten Orten, dem „Neandertal-Museum“  in Mettmann, dem Gräberfeld von Verdun oder dem „Deutschen Museum“ in Bonn statt. Nach Möglichkeit greifen wir dabei auf die finanzielle Unterstützung des Landes NRW zurück. Darüber hinaus dient insbesondere die Abschlussfahrt der 10er, die in der Regel nach Berlin geht, dem Ziel, historisch erarbeitetes Wissen vor Ort zu vertiefen.

Zeitzeuge Nationalsozialismus

Den Nationalsozialismus hautnah erlebt

Zum Abschluss der Unterrichtsreihe über den Nationalsozialismus in der 10. Klasse wurde Herr Reinhard Hunger eingeladen. Mit ihm erlebten die Schülerinnen und Schüler der 10. Klasse einen Zeitzeugen, der aus seiner Kindheit und Jugend in der Zeit des Nationalsozialismus packend erzählen konnte.

Reinhard Hunger wurde 1932 am Tag der Wiederwahl Paul von Hindenburgs zum Reichspräsidenten geboren. Er wuchs in Herford in Westfalen in einem Einfamilienhaus zusammen mit zwei Geschwistern, einer Tante und den Großeltern auf. Schon früh wurde er wie viele andere Kinder dieser Zeit durch die Politik des Nationalsozialismus geprägt. So war es auch ganz normal für ihn, als er mit 10 Jahren der nationalsozialistischen Organisation des sogenannten „Jungvolks“ beitrat. Im Volksmund wurden diese Jungen „Pimpfe“ genannt.

Da er sehr sportlich war, fielen ihm die dort praktizierten sportlichen Übungen nicht schwer. Mit den Kampfübungen haderte er dagegen, da er sehr schmächtig war. Zudem musste er damit leben, dass er wegen seiner leuchtend roten Haare, die insbesondere in dieser Zeit nicht zum Idealbild eines deutschen Jungen passten, stark gehänselt wurde. Trotz alledem genoss er jedoch die gemeinsamen Aktivitäten, sodass ihm nicht bewusst wurde, wie stark das Regime darauf abzielte, schon die Jüngsten für die nationalsozialistische Ideologie und auf den Krieg vorzubereiten.

Herr Hunger berichtete darüber hinaus über die vielen Fliegerangriffe, unten denen seine Heimatsstadt Herford gelitten hatte. So rettete er sich einmal lediglich unter einen mit Pferdeäpfeln gefüllten Bollerwagen, als ein Tiefflieger die Straße beschoss. An einem Sonntag im Jahre 1944 hatte die Familie jedoch nicht so viel Glück. Ihr Haus wurde getroffen. Glücklicherweise kam jedoch kein Familienmitglied zu Schaden, da die Familie in einem dem Haus gegenüberliegenden Bunker Schutz gesucht hatte.

Der Krieg führte schließlich dazu, dass die Schule, die Reinhard Hunger besuchte, geschlossen werden musste, sodass er als Jugendlicher viel Zeit damit verbringen konnte, dabei mitzuhelfen, das elterliche Haus wieder aufzubauen.

Herr Hunger berichtete aber auch darüber, wie er und seine Familie die schrittweise Ausgrenzung der jüdischen Mitbürger wahrgenommen hatten. Auch wenn er als Kind keine Kenntnis davon hatte, wozu diese Ausgrenzungen in letzter Konsequenz führten, so war ihm schon bewusst gewesen, dass jegliche Ausgrenzung von Mitbürgern ein Verbrechen an der Menschlichkeit ist.

Mit Herrn Reinhard Hunger erlebten die Schülerinnen und Schüler einen Zeitzeugen, der zum einen sehr gut nachvollziehbar erklären konnte, wie es das nationalsozialistische Regime vermocht hatte, selbst Kinder zu begeistern. Zum anderen brachte er auch die dazu notwendige kritische Distanz auf, was zu einer starken Betroffenheit der Schülerinnen und Schüler führte.

Zeitzeuge DDR

Die beiden Klassensprecher der 10a bedanken sich bei Herrn Schwerk für den interessanter Vortrag.

Besuch eines Zeitzeugens im Geschichtsunterrichts

Mit der S-Bahn in die Freiheit

Nachdem sich die 10a in der Zeit zwischen den Sommer- und den Herbstferien intensiv mit der Idee des Sozialismus und der DDR, dem „real existierenden“ Sozialismus beschäftigt hatte und das erarbeitete Wissen auf der Klassenfahrt nach Berlin in der Woche nach den Herbstferien intensivieren konnte, war es nun soweit, dass mit Herrn Michael Schwerk ein Zeitzeuge den Schülerinnen und Schülern anschaulich von seinen Erfahrungen in der DDR und von seiner – gelungenen – Flucht aus der selbigen erzählen konnte.

Michael Schwerk, 1943 in Waldenburg/Schlesien geboren und im sächsischen Pirna aufgewachsen, schilderte den Schülerinnen und Schülern eindringlich, wie stark er als Jugendlicher und junger Erwachsener mit den SED-Regime gehadert hatte und wie dann langsam sein Entschluss herangereift war, aus der DDR zu flüchten.

Als er seinen Wehrdienst bei der Bereitschaftspolizei Wandlitz ableistete, ergab sich die Möglichkeit, eine S-Bahn durch das Ziehen einer Notbremse an einer grenznahmen Stelle zum Stehen zu bringen. Noch aus dem fahrenden Zug sprang er heraus. Obwohl er sich zuvor intensiv mit den örtlichen Gegebenheiten an dieser Stelle beschäftigt hatte, war ihm nicht bewusst gewesen, dass er zum einen mit seinem ersten Schritt aus der S-Bahn heraus eine Alarm auslösen würde und zum anderen hatte er von der Existenz eines 4,80m tiefer liegenden ausgedienten S-Bahn-Schachtes nichts gewusst, der ihm nun den Weg in die Freiheit versperrte. In voller Panik sprang er trotz der Höhe in den Schacht und verletzte sich wie durch ein Wunder nicht. Dieses Wunder dürfte er der Tatsache verdankt haben, dass er ein begeisterter und durchtrainierter Hobby-Turner war. Dies ermöglichte ihm auch, das fast Unmögliche zu vollbringen und auf der anderen Seite des Schachtes wieder herauszuklettern. Dazu genügten ihm wenige Unregelmäßigkeiten an der Wand des Schachtes. Nachdem er zwei weitere Stacheldrahtzäune überwunden hatte, gelangte er in den Westen.

Anders als die Zeitzeugen, die die Schülerinnen und Schüler der 10a auf der Klassenfahrt bei einem Besuch der Gedenkstätte Hohenschönhausen kennengerlernt hatten und deren Flucht gescheitert war, schaffte es Michael Schwerk, sich in der BRD ein neues Leben ohne Angst aufzubauen.

Den Schülerinnen und Schüler wurden durch die eindringlichen Schilderungen dieses und der anderen Zeitzeugen in Hohenschönhausen nochmals bewusst, wie wertvoll es ist, in einer Demokratie zu leben